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75 JAHRE FAMILIENVERBAND
JULIUS ERBSLÖH
FESTSCHRIFT
ZUM 75-JÄHRIGEN BESTEHEN 1989 |
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VORWORT
1905
faßte Gustav von Eynern die Ergebnisse seiner umfangreichen
Forschungen in den Nachrichten über die Familie Erbslöh
zusammen und gab damit einen Überblick über die dreihundertjährige
Familiengeschichte. Mit dem vorliegenden Band, der keinen Wert auf
Vollständigkeit legt, wollen wir anläßlich des Jubiläums
unseres Familienverbandes an die Familienchronik anknüpfen
und einige Streiflichter aus der 75jährigen Verbandsgeschichte
aufzeigen.
Unser
besonderer Dank gilt Andreas Erbslöh, dem langjährigen
Herausgeber der Familienberichte und dieses Buches, das er mit Beiträgen
und Daten sowie zahlreichen Abbildungen aus dem Familienarchiv so
lebendig gestaltet hat. Herzlich danken wir ebenso Marie-Luise Nischelwitzer,
die mit ihren Berichten über den Geschwisterkongreß in
Eisenach, das alte Haus in Wupperfeld sowie anderen
Beiträgen dieses Bändchen lesenswert machte.
Pfingsten
1989 Marianne Flues
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Die
bergische Familie Erbslöh tritt im 17. Jahrhundert in der Honschaft
Erbschloe (1) (einer
Ansiedlung zwischen Remscheid-Lüttringhausen und Wuppertal,
die heute noch besteht), in Wermelskirchen, Duisburg und Düsseldorf
auf, doch werden auch schon 1591 Erbgenamen (Erben)
Erbschloe als Erbpächter der Landwehr im Disseldahl bei Lichtscheid
genannt. Die älteste Schreibweise stammt aus dem Jahre 1471:
Erbszloe und Erbszloh.
Erbschloe-Erbslöh
ist der Name der Sippe arpiloh (ahd.), d.h.., es sind
Leute, die ein Gehölz geerbt haben (möglicherweise vom
Gaugrafen als Lehen empfangen). Aus diesem arpi wurde
durch die einstämmige Kürzung im Genitiv arps
und durch die mündliche Weitergabe erps, erbs, erbsch.
Dem trägt das um 1910 von Carl Hugo Erbslöh in Auftrag
gegebene und von dem Düsseldorfer Maler W. Pagenstecher entworfene
Familienwappen Rechnung. Als sogenanntes Namenswappen
weist das Motiv im Schild (Eichengehölz) auf den Namen hin.
Die beiden Richterstäbe besagen wohl, daß die Sippe Erbschloe
als Schöffen ihrer Honschaft Recht sprechen durfte (den Stab
brechen).
1.
Eine Honschaft (= Hundertschaft) war unter Karl dem Großen
die kleinste Einheit einer Grafschaft zwecks Rechtsprechung
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ERBSLÖH,
HERKUNFT UND NAME

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Erbslöh-Exlibris
Stahlstich, Wolfgang Pagenstecher, 1907
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Urkundlich
lassen sich unsere Vorfahren bis zu Johannes Erbschloe auf dem
Hammesberg (1615 - 1695) zurückführen. Er und seine
Nachkommen waren dort Bauern, später auch Fuhrleute, bis Johann
Arnold (1764 - 1834) Kaufmann in Barmen wurde. Als Hilfsmittellieferant
für die Wuppertaler Bleicher und Färber kam er zu Wohlstand.

Wohnhaus von Johannes Erbslöh (1681-1767), erbaut um 1750,
auf einem uns erhaltenen Weinflaschenetikett
Seine
Frau war Anna Maria Garnich (1780 - 1832) aus Vohwinkel. Ihre beiden
jüngsten Söhne Carl Julius (1814 - 1886) und Carl August
(1819 - 1894) interessieren uns, die wir zum 1914 gegründeten
Familienverband Julius Erbslöh gehören, besonders.

Johann Arnold (1764-1824) und Anna Maria Erbslöh (1780-1832)
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| VOM
LANDWIRT ZUM KAUFMANN |
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| Carl
Julius Erbslöh (1814 - 1880)
Julius
Erbslöh besuchte in Barmen die Stadtschule und widmete sich
dem Kaufmannsstande. Nachdem er von 1833 - 34 als einjährig
Freiwilliger bei der 2. Komp. des 16. Infanterie- Regiments in Düsseldorf
gedient hatte, wurde er im Februar 1836 Landwehr Offizier und war
1849 sechs Monate lang beim mobilen Landwehr-Bataillon Nr. 36 in
Essen und 1850 Führer der von Elberfeld und Barmen kombinierten
Kompagnie der Landwehr 2. Aufgebots. In den Akten des Oberbürgermeisteramtes
Barmen betreffend die Vorschläge und Ernennung der Landwehr-Offiziere
steht in dem Verzeichnis der sich zu Landwehr-Offizieren qualifizierenden
Individuen am 16. Mai 1835:
„Erbslöhe,
Julius, Kaufmann, Vice-Unteroffizier des 16. Infanterie-Regiments
hat mehr wie 1000 Thaler Vermögen, Sprachkenntnisse französisch,
Moralität sehr gut. Die Eltern sind todt.
1842 gründeten Carl Julius Erbslöh und Carl Wolff unter
der Firma Wolff & Erbslöh eine Plättier-Fabrik in
Barmen. Sie kauften von einem Herrn Rocholl, der die Fabrikation
von Frankreich eingeführt hatte, das Haus Schönenstraße
2, in dem früher die Gebrüder Schöne eine Bandfabrik
betrieben hatten. Der alte Rocholl hatte sein Geschäft schon
seinem Sohne übertragen, dieser starb jedoch bald und nun fühlte
der Vater keine Lust mehr, das Geschäft wieder allein weiterzuführen.
Der Kaufpreis betrug 20000 Thaler. Das Haus hatte durch den dahinter
fließenden Mühlengraben Wasserkraft.
Die Fabrikation bestand in der Hauptsache in der Herstellung von
gold- und silberplättierten Blechen, wie solche für die
Fabrikation von Knöpfen, Wagenlaternen und dergleichen Verwendung
fanden und noch finden. Es kamen im Laufe der Jahre die verschiedensten
Artikel einschlägigen Genres, wie Bilderrähmchen-Einlagen,
silberplättierte Platten für Daguerreotypien, Portemonnaie-Platten,
Messing-, Kupfer- und Schablonen-Bleche, echte Feinsilber- und dessinierte
Bleche usw. hinzu. Neben diesen bestand die Fabrikation um die Jahrhundertwende
hauptsächlich aus Messing- und Tombak-Blechen, Aluminium-Fabrikaten
und Drähten. Die Firma beschäftigte um 1900 über
200 Angestellte und Arbeiter.
Die beiden Brüder Wilhelm und August wurden auch bald Teilhaber
und blieben es bis zu ihrem Tode. Nach dem Austritt von Carl Wolff
1872 wurde die Firma in Julius & August Erbslöh umgeändert.
Die Teilhaber um 1900 waren: Kommerzienrat Julius Erbslöh seit
1870, Alexander Erbslöh seit 1882, Walter Erbslöh seit
1884.
Die Firma erwarb im Laufe der Jahre noch verschiedene Nachbarhäuser
und 1893 die Pfennings- und Greefs-Hämmer an der Blombach,
ersterer „Kupferhammer genannt. Dort wurde eine Zweigfabrik
errichtet, die 1904 bedeutende Vergrößerung erfuhr.
Die zuerst erworbene Besitzung Schönenstraße 2 bestand
aus einem großen Doppelhause, in dessen einer Hälfte
die Fabrikation betrieben wurde; die andere Hälfte diente den
Familien Julius, Wilhelm und August lange als gemeinsame Wohnung.
Zuletzt lebte nur noch Julius' Witwe Adelheid in dem Hause. Als
sich das Geschäft mehr und mehr ausdehnte, wurde 1891 auch
die Wohnhälfte mit zur Fabrik gezogen; sie wurde abgerissen
und ein Neubau an ihrer Stelle errichtet. 1899 fiel auch der stehengebliebene
Teil des alten schönen bergischen Hauses und eine große
einheitliche Fabrik wurde an dieser Stelle errichtet. Der schöne
Garten nach der Wertherstraße ist wurde jedoch erhalten. Die
beiden großen Rotdornbäume am Straßentor stammten
noch aus dem alten Garten Johann Arnolds am Wupperfelder Markt.
1854-1866 war Julius Erbslöh Mitglied des Gemeinderates und
des städtischen Sparkassen-Vorstandes. Außerdem war er
langjähriger Repräsentant der lutherischen Gemeinde Barmen-Wupperfeld
und diente derselben 1860/61 auch als Kirchmeister. Er war Mitglied
der Kuratorien der Realschule, des Gymnasiums, der Filial-Töchterschule,
Mitglied des Vorstandes der Oberbarmer Klein-Kinderschule und seit
Gründung des Evangelischen Vereinshauses Vize-Präses des
Verwaltungsrates.
1840 heiratete er Adelheid Wesenfeld, die Schwester der Frau seines
Bruders Peter Wilhelm. Carl Julius und Adelheid lebten mit ihren
neun Kindern in dem besagten Haus in der Schönenstraße
in Barmen-Wupperfeld, das jedes Jahr auf dem Titel des erbslöhschen
Familienberichtes abgebildet wird. Hinter dem Wohnhaus lag die Fabrik
an der Wupper. Mit im Haus lebte zeitweise auch Bruder Carl August
(1819 - 1894) mit seiner Frau Wilhelmine Adeline Caron (1828 - 1900)
und seinen Kindern.
Adelheid Wesenfeld (1821 - 1904)
Adelheid
war die Tochter des Apothekers Carl Stephan Ludwig Wesenfeld und
der Johanna Jellinghaus aus Barmen. 1849 übergab er die Apotheke
seinem Stiefsohn und gründete mit zwei Bekannten eine Schwefelsäurefabrik
in Oberbarmen, in der später auch Friedrich Bayer, Gründer
der Farbenfabriken Bayer, lernte. Adelheid wird so geschildert:
Sie war klein von Gestalt, resolut, doch freundlich und liebevoll.
Sie hielt treu zu Kirche und Gottes Wort, war rüstig bis ins
hohe Alter. Noch mit 80 Jahren fuhr sie allein zu ihrem Schwiegersohn
Schniewind nach Berlin.
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Carl
Julius und Adelheid Erbslöh, geb. Wesenfeld
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Unsere
Stammeltern, Carl Julius und Adelheid Erbslöh, lebten mit
ihren neun Kindern in einem Haus in der Schönenstraße
in Barmen-Wupperfeld, das uns allen vom Titelbild unseres Familienbriefes
her bekannt ist.
Hinter
dem Wohnhaus lag die Fabrik an der Wupper. Mit im Haus lebte zeitweise
auch Bruder Carl August (1819 - 1894) mit seiner Frau Wilhelmine
Adeline Caron (1828 - 1900) und seinen Kindern - Vorfahren von Bob
Muller, Amerika und Brigitte Fleck, Bad Segeberg....
Ewald
Erbslöh, der jüngste Sohn, hat 1933 seine Erinnerungen
an das alte Haus Erbslöh in Barmen-Wupperfeld aufgeschrieben
(Nachdruck 1982), . . . um den Nachkommen zu zeigen, daß
in dem alten Hause ein urgesunder, frischer und fröhlicher
Geist herrschte.

Familie Carl Julius und Adelheid Erbslöh um 1873
Es
muß wirklich fröhlich und lebhaft zugegangen sein in
dem so kinderreichen großen Haus, das allein im ersten und
zweiten Stock 24 Wohnräume hatte. Da die Familien Julius und
August nicht etagenweise getrennt wohnten, muß man es - wie
der Chronist vermerkt - als einen Beweis des geradezu mustergültigen
Einvernehmens zwischen allen Mitgliedern der Familie ansehen, daß
es niemals irgendwelchen Anlaß zu Störungen ihres innigen
Zusammengehörigkeitsgefühls gab. Rücksichtnahme
und strenge Regeln, zum Beispiel in der Benutzung der verschiedenen
Gartenplätze oder der gemeinsam gehaltenen Equipage,
werden zum Hausfrieden beigetragen haben. Der Hof mit den Nebengebäuden,
der Remise, dem Pferdestall, der Obstgarten, vor allem aber der
Mühlgraben, der zwischen dem Haupthaus und dem Fabrikgebäude
floß, waren ein idealer Abenteuerspielplatz für die Kinder.
Kletterübungen am riesigen Wasserrad, das Schützen
der Stauvorrichtungen galten als Mut- und Kraftprobe. Freiwilliges
und unfreiwilliges Bad in dem damals noch glasklaren Wasser war
ein besonderer Spaß.
In
der Remise gab es eine Chemiestube für Experimente
der größeren Jungen, während die Kleinen im Schein
der Öllampen am Kanonenöfchen sitzend, die
alten Märchen hörten, die auch heute noch die Kinder der
6. Generation entzücken. Besonders prägend für den
Werdegang der Jugend war die enge Verbindung von Haus und Fabrik
nicht nur in räumlicher Hinsicht. Die Kinder nahmen selbstverständlich
an den Festen und am Alltag der Arbeiter teil. Sie waren von klein
auf in der Fabrik und in den Werkstätten zuhause. Mehr
als es den Schularbeiten zuträglich war . . . erinnert
sich Ewald. Es war aber auch zu verführerisch, bald in
der Schreinerei, bald in der Schmiede, bald in der Buchbinderei
sich betätigen zu können und sich von den wohlwollenden
Meistern zu mancherlei im späteren Leben nützlichen Handfertigkeiten
anleiten zu lassen.
Besondere
Freude war es, dabei sein zu dürfen, wenn Vater Julius oder
Onkel August die Plattierarbeit selbst verrichteten oder die Matt-
und Dessinwalzen bedienten.
Der
Bericht besagt, daß Julius und August, wie später Julius'
Söhne Julius II und Walter sowie Augusts Sohn Alexander, diese
verantwortungsvollen und körperlich schweren Arbeiten lange
Jahre hindurch selbst ausführten.
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Familie
Carl Julius und Adelheid Erbslöh
Die Kinder und Schwiegerkinder:
Carl
Julius Erbslöh mit Anna Maria Laura Wittenstein
Gustav Adolf Erbslöh mit Anna Elisabeth Linkenbach
Heinrich Albert Erbslöh mit Johanna Schuchard
Carl Hugo Erbslöh mit Adele Engels
Clara Adele Erbslöh mit Carl Daniel Schniewind
Anna Sophie Erbslöh mit Johannes Weiß
Walter Erbslöh mit Martha Weddigen / E. M. Jäger
Helene Adelheid Erbslöh mit Friedrich Wilhelm Weskott
Gustav Ewald Erbslöh mit Anna Bartels
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| DAS
ALTE HAUS IN WUPPERFELD |

Wohnhaus der Familien Julius und August Erbslöh,
entnommen der Schrift Ewald Erbslöhs Das alte Haus in
Wupperfeld
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Im
Spätsommer 1882 trafen sich die Kinder von Adelheid und Julius
Erbslöh in Eisenach zumGeschwisterkongreß.
Es war zwei Jahre nach dem Tod von Vater Julius, und man kann sich
vorstellen, was es für Mutter Adelheid bedeutete, alle neun
Kinder bei sich zu haben. Schwerer vorstellbar ist es für uns
Heutige im Düsenzeitalter, unter welchen Umständen damals
so ein Treffen zustande kam, denn, wie die Chronik berichtet, kamen
die Geschwister
Von
Amerikas fernem Gestade Von der Wupper geschäftigem Strand
Aus Magdeburgs weiter Ebener Aus Rübezahls fruchtbarem Land
Ewald
Erbslöh, der jüngste im Kreis, hat in Versform den Ablauf
der Tage geschildert: Die überaus stürmische Begrüßung,
denn Adolf und Anna hatten sich fünf lange Jahr' nicht
gesehn. Das Treffen fand im Haus von Heinrich Albert Erbslöh
und seiner Frau Johanna, geb. Schuchard, statt. Wer dort nicht Platz
fand, war im Gasthof Zum Goldenen Löwen einquartiert
worden. (Heute Gedenkstätte, 1869 fand dort die Gründung
der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt.)
Zum
Photographen lenkt man dann die Schritte Wie hätte es auch
anders können sein Als daß wir nach der guten alten Sitte
Zusammen ließen uns abkonterfein

Mutter Adelheid mit Kindern und Schwiegerkindern auf dem Geschwisterkongreß,
Eisenach 1882
Die
gemeinsamen Spaziergänge, das Essen im Löwen
mit Aal, die Inspection von Alberts Brauerei auf dem
Petersberg und vor allem das ungeduldige Warten auf Post von Hugos
Braut Adele, sind mit herzerfrischendem Humor erzählt. Humor
- eine typische Eigenschaft der Familie, die sich hoffentlich durch
die Generationen weitervererbt zeigt sich auch in der Idee, alle
Familienmitglieder auf die Waage zu stellen: Der Schwergewichtigste
war Johannes mit 173 Pfund, schlank wie eine Tanne war
Anna mit 114, die Leichteste Klara mit 111 Pfund. Selbstverständlich
waren die angeheirateten Familienveredler miteinbezogen,
wenn sie auch nicht alle am Geschwisterkongreß teilnehmen
konnten.
So
ging ein poetischer Gruß an Alberts Schwiegereltern:
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Einen
guten Schwiegervater
Unser Bruder Albert hat er . . .
und
prompt kam die Antwort:
.
. . Wir unterdes den Acker pflügen
Daran laß, Mutting, Dir genügen . . .
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Mit
dem Wunsch auf weitere glückliche Familientage schließt
der Bericht.
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| DER
GESCHWISTER-KONGRESS IN EISENACH |
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Im 100.
Geburtsjahr des Vaters, Großvaters und Urgroßvaters Carl
Julius Erbslöh trafen sich seine Nachkommen im Juni 1914 in Bad
Godesberg und gründeten den Familienverband Julius Erbslöh,
der sich zum Ziel setzte, das Wohlergehen der Angehörigen zu
fördern, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit unter
ihnen in guten und in schlechten Zeiten zu pflegen und bedürftige
Familienmitglieder zu unterstützen. Die Schüsse von Sarajevo
bereiteten dem fröhlichen Beisammensein ein jähes Ende.

Gründung des Familienverbandes, 1914
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| DER
FAMILIENVERBAND ENTSTEHT |
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1921:
Familientag in Königswinter

Familientag Königswinter 1921: Im Garten der Villa Rheinau
Auf
der Gründungsversammlung in Bad Godesberg wurde darüber
beraten, ob der nächste Familientag in ein oder zwei Jahren
stattfinden sollte. Doch der Krieg zerstörte sämtliche
Vorsätze. Erst nach sieben Jahren traf sich die Familie bei
von Eynerns in Königswinter-Rheinau. So wie der erste Familientag
dem 100. Geburtstag des Stammvaters gewidmet war, galt dieser dem
Andenken der Mutter Adelheid, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden
wäre.
1928:
Familientag in Mehlem am Rhein
Es
war der letzte Familientag, an dem Kinder und Schwiegerkinder der
Stammeltern teilnahmen und gleichzeitig der erste, an dem auch Kinder
und Jugendliche der 4. Generation mitfeierten. Als erster Urenkel
wurde Bernhard Gelderblom - 5. Generation - vorgestellt.

Familientag
Mehlem 1928
In
den folgenden Jahren fanden bis 1939 kleinere regionale Treffen
in Düsseldorf und in Wuppertal statt.
1954:
Familientag auf dem Hammesberg bei Wuppertal
Für
den ersten Familientag nach dem 2. Weltkrieg wurde der Gasthof Walbersdorf
auf Erbschloe ausgewählt. Dort hatte der Hof der Vorfahren
gestanden. Otto Erbslöh wurde neuer Vorsitzender des Verbandes.
1960:
Familientag in Düsseldorf und Wuppertal
Wir
fuhren mit dem Schiff von Düsseldorf nach Zons und besichtigten
das alte Städtchen. Abends wurde im Düsseldorfer Ruderverein
gefeiert. Am nächsten Tag klang der Familientag nach einem
bunten Tagesprogramm in Haus Dussel bei Wuppertal-Vohwinkel aus.
1964:
Jugendtreffen in Wuppertal
Diethard Erbslöh, Constantin Frick jun.. und Wolfgang
Flues organisierten das erste Jugendtreffen anläßlich
des 50jährigen Bestehens des Familienverbandes. Das Zusammensein
machte so viel Spaß, daß seitdem die Jugendtreffen
zum festen Bestandteil der Familienverbandsaktivitäten gehören.
1966: Vorstandswahl
Mit der Wahl von Carl Hugo Erbslöh zum Vorsitzenden
des Familienverbandes übernahm die 4. Generation die Leitung.
Annegret Frick wurde das erste Mitglied der 5. Generation im Vorstand.
1967: Familientag in Wuppertal
Das 125jährige Jubiläum der Firma Julius u.
August Erbslöh war Anlaß eines Familientages. Nach der
Besichtigung des neuen Werkes in Neviges und nach offizieller Feier
in der Wuppertaler Stadthalle wurde abends im Familienkreis in der
Barmer Concordia gefeiert. Am folgenden Tag endete das
Treffen bei Verwandten in Düsseldorf und Wuppertal.

Familientag
Wuppertal 1967: In der Concordia
1968: Jugendtreffen in Mölln
Diesmal
luden Ursel und Hans Werner Berendt zum Jugendtreffen ein.
1970:
Jugendtreffen in Berchtesgaden
Es
trafen sich die Jungen mit einigen Junggebliebenen auf
dem Geißstall-Lehen in Berchtesgaden bei Sibylle und Paul
Günther Erbslöh.
An
Maiennacht hat man gedacht, doch Petrus schickte Schnee oh weh,
oh weh, oh weh! Es alle nicht verdroß, das Zusammensein man
genoß.
1973:
Familientag in Wuppertal
Nach
einer Werksbesichtigung in Neviges trafen sich kleinere Gruppen
in verschiedenen Häusern des Tals und diskutierten lebhaft
eine Satzungsänderung des Verbandes. Wieder wurden die Familienbande
in der Concordia gepflegt. Da man schon einmal in der
Nähe Essens war, nutzten viele die Möglichkeit, dort in
der Villa Hügel die PompejiAusstellung zu besuchen.
1975:
Jugendtreffen in Geisenheim und Wuppertal
Der
Garten von Gertraud und Gerd Erbslöh wurde in einen Zeltplatz
mit Lagerfeuer verwandelt. Viele kamen verspätet an, weil auf
den Karten eine nicht vorhandene Rheinbrücke eingezeichnet
war. Man mußte sich mit einer Fähre übersetzen lassen.
Die Teilnehmer verstanden sich so gut, daß sich alle zwei
Wochen später bei Rosemarie und Hans Hermann Erbslöh auf
dem Starenberg in Wuppertal trafen, um dort weiterzufeiern.
1976:
Jugendtreffen in Meezen
Das
Jugendtreffen fand seine Fortsetzung bei Dorothee und Albrecht Villnow
auf dem Trabhof in Meezen. Gefeiert und getanzt wurde im Kuhstall.

Die fröhliche Runde beim Jugendtreffen in Meezen
1976:
Süddeutsches Regionaltreffen in Irschenhausen
Inge
Erbslöh und ihr Neffe Alexander Erbslöh hatten die Verwandten
aus Süddeutschland nach Irschenhausen eingeladen.
1977:
Westdeutsches Regionaltreffen in Unkel
Beim
fröhlichen Haus- und Gartenfest bei Dorothee und
Bernhard Gelderblom in Unkel mischten sich die Generationen.
1977:
Norddeutsches Regionaltreffen in Bremen
Nach
der Vorstandssitzung bei Fricks in der Goebenstraße trafen
sich die Nordlichter, von denen einer behauptete
Ein
Nachsatz sei hier eingeräumt,
Familienmuffel viel versäumt . . .
1977
und 1978: Süddeutsche Regionaltreffen in Gräfelfing
Die
Südlichter fanden sich bei Trudel Erbslöh
ein. Dieses Treffen fand einen so großen Anklang, daß
es ein Jahr später wiederholt wurde.
1979:
Familientag in Wuppertal
Etwa
100 Familienmitglieder im Alter von 6 bis 87 Jahren nahmen teil.
Am Freitag wurden eine Werksbesichtigung in Neviges und Treffen
bei Käte Erbslöh und Marianne und Max Flues wahrgenommen.
Nach einem vielseitigen Tagesprogramm klang der Samstag in Haus
Pax aus.
Am
Sonntag wählte die Mitgliederversammlung den neuen Vorstand.
Marianne Flues wurde Vorsitzende des Verbandes.
1980:
Süddeutsches Regionaltreffen in Oberelchingen
Familientreffen
in Ulm, um Ulm und um Ulm herum. Patrick Weskott und
seine Schwestern hatten in ihr Elternhaus eingeladen. Höhepunkt:
Schwäbische Fußgängerrallye durch die Altstadt.
Episode am Rande: Ursel und Heiner Schuh suchten eine Unterkunft
für die Nacht, fanden eine, wunderten sich über die Ausstattung
und erfuhren am nächsten Tag, daß sie in einem Bordell
gelandet waren.
1980:
Nordlichtertreffen in Hamburg
Vorstandssitzung
und Familientreff bei Andrea und Johann Caspar Erbslöh in Hamburg.
Diethard und Lutz Erbslöh stellten die neue Stammtafel vor,
die sie entwickelt hatten.
1981:
Regionaltreffen in Wuppertal
Kleines
Treffen der Verwandten aus der näheren Umgebung bei Marianne
und Max Flues. Die 6. Generation erkundete das Haus am Pickartsberg
und wird sich auch noch in Zukunft an das Spielzeugkämmerchen
erinnern.
1981:
Nordlichtertreffen in Vardegötzen bei Hannover
Andreas
Erbslöh hatte zu Vorstandssitzung und Nordlichtertreffen eingeladen.
Fünfzig Familienmitglieder tummelten sich in Haus und Garten.
1982:
Süddeutsches Regionaltreffen in Gräfelfing
Wieder
traf man sich bei Trudel Erbslöh. Alte Filme wurden gezeigt:
80. Geburtstag von Adele Erbslöh (1934 in Düsseldorf)
und vom Treffen auf dem Starenberg bei Marie und Walter Erbslöh
(vermutlich 1936). Erika Hoenes half der 5. Generation, sich zurechtzufinden.
1982:
Wuppertal: Erinnerungstreffen anläßlich der 100jährigen
Wiederkehr des „Geschwisterkongresses zu Eisenach
An
diesem Treffen bei Marianne und Max Flues waren Nachkommen aller
Geschwister Erbslöh vertreten: Von Julius 18, Adolf 16, Albert
10, Hugo 16, Schniewind 7, Walter 11, Weskott 3 und Ewald 6.
Zum
Mittagessen am Sonnabend kamen die ersten, am frühen Sonntagmorgen
verließen die letzten die inzwischen feucht gewordene Wiese.

Erinnerungstreffen 1982:
Patrick Weskott reiste 700 km mit dem Fahrrad an
1983: Regionaltreffen in Hamburg
Nordlichtertreffen in Verbindung mit der
Vorstandssitzung bei Andrea und Johann Caspar Erbslöh.
1984:
Regionaltreffen in Wuppertal
Die
Geschwister Martha Schuh, Hans Hermann Erbslöh und Annemarie
Hillebrand hatten auf den Starenberg eingeladen. Die Kinder der
6. Generation genossen ebenso die Weite des Gartens wie einst ihre
Eltern, Großeltern und Urgroßeltern.
1985: Familientag in Essen-Kettwig
Eine Bootsfahrt auf der Ruhr, eine Wanderung in Kettwigs
schöner Umgebung, der Besuch des Museums der Frühindustrialisierung
in WuppertalBarmen, Altstadt-Rallye durch Kettwig und Kegeln, das
waren die Angebote vor dem abendlichen Zusammensein im Schmachtenbergshof.

Familientag
Kettwig 1985: Vor dem Schmachtenbergshof
In
der Mitgliederversammlung wurde der neue Vorstand gewählt.
Zum ersten Mal seit Bestehen des Familienverbandes gehört ihm
leider kein(e) Eingeheiratete(r) an. Für die Kinder
gab es am Sonntag eine Ponyfahrt, und zum Ausklang traf man sich
nachmittags bei Gisela und Lutz Erbslöh in Kettwig und Marianne
und Max Flues in Wuppertal.
1986:
Regionaltreffen in München
Familientreffen
und Vorstandssitzung bei Lore und Wolf Dietrich Schildener in und
bei München.
1987:
Regionaltreffen in Bremen
Dieses
Mal luden Karla und Peter Schmaltz die Nordlichter anläßlich
der Vorstandssitzung zu sich ein.
1988:
Jugendtreffen in Unkel
Jugendtreffen
bei Dorothea und Bernhard Gelderblom, das Stefanie Weskott organisiert
hatte. Bei der Fußgängerrallye durch das Städtchen
stellte sich am Bahnhof heraus, daß selbst die computererfahrenen
Jugendlichen nicht in der Lage waren, den Bundesbahn-Fahrkartenautomaten
richtig zu bedienen. Die Teilnehmer waren hell begeistert, als sie
am Pfingstsonntag von ihren Eltern abgeholt wurden. Wie 1975 in
Geisenheim standen im Garten Zelte.
1988:
Vorstandstreffen in Wuppertal
Arbeitstagung
des Vorstandes zur Vorbereitung der 75-Jahrfeier des Familienverbandes.
Die Familien des Vorstandes trafen sich bei Anke und Herbert Erbslöh
in Wuppertal-Langerfeld.
Die
Chronologie der Familientage von 1914 - 1988 zeigt den Wandel der
Zusammenkünfte. Die wenigen großen Familientage werden
durch kleine, regionale Treffen und Jugendtreffen ergänzt.
Letztere
ermöglichen ein besseres Kennenlernen und helfen neuen Familienmitgliedern,
sich leichter in die Großfamilie einzuleben, während
die großen Familientage Voraussetzung für ein Weiterbestehen
des Verbandes sind.
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| CHRONOLOGIE
DER FAMILIENTAGE |
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„Bei
unserem ersten Familientage, welcher jedem von uns, der ihm beigewohnt
hat, wohl unvergeßlich bleiben wird, habt Ihr mich zum Schriftführer
des Familienverbandes gemacht. Niemand hätte sich damals die
furchtbar ernste Lage, in welche uns die nächsten 5 Wochen
bringen würden, auch nur in Gedanken ausmalen können.
Heute ist es, glaube ich, unser gemeinsamer Wunsch, von dem gegenseitigen
Ergehen und namentlich von dem unserer Söhne, welche im Feld
stehen, baldigst Nachricht zu erhalten und ich denke, es ist Euch
recht, wenn ich mich als Euer Schriftführer berufen fühle,
Nachrichten über sie zu sammeln und sie an Euch weiterzugeben,
denn wichtigere Vorgänge, wie sie diese große Zeit für
das Leben jedes Einzelnen von uns bringen wird, wird wohl keiner
von uns wieder erleben.
So
beginnt der erste Familienbericht vom 10.8.1914 aus der Feder Carl
Hugo Erbslöhs. In der Folgezeit sammelte er die Nachrichten
über die im Felde stehenden Familienmitglieder und gab jene
vervielfältigt an die Familie weiter. Bis zum Ende des 1. Weltkrieges
wurden 132 solcher Berichte versandt.
Auf
dem Familientag in Königswinter wurde 1921 angeregt, die Berichterstattung
fortzusetzen, „in dem Wunsche, daß sich solche Berichte als
eine dauernde Einrichtung bewähren und zur Stärkung unseres
Familienverbandes beitragen mögen. Seither erschienen
die Familienberichte unseres Verbandes bis zum heutigen Tage Jahr
um Jahr (mit Ausnahme des Jahre 1945).
Bis
1931 gab Carl Hugo Erbslöh die Familienberichte heraus, danach
übernahm sein Bruder Ewald diese Aufgabe, von 1942 bis 1946
Ewalds Neffe Walter und nach dessen Tod ab 1947 Arthur Erbslöh.
Hergestellt und versandt wurden die Familienberichte, die einen
immer größer werdenden Umfang annahmen, jetzt durch die
Firma Julius und August Erbslöh, wobei erst Sibylle Erbslöh,
dann Heidi Erbslöh, Marianne Flues und Rudolf Erbslöh
den Bericht zusammenstellten.
Nachdem
die Kosten für den inzwischen durch ein Schreibbüro hergestellten
Familienbericht gravierend in die Höhe gegangen waren, wurde
das Verfahren ab 1973 geändert: Nur noch ein Teil der Berichte
wurde abgeschrieben, durch den Fotodruck konnte viel direkt übernommen
werden. Die Arbeit des Zusammenstellens, des rasch anwachsenden
redaktionellen Teils und des Umbruchs teilten sich seitdem Marianne
Flues und Andreas Erbslöh.
Als
zusätzliche Bereicherung wurden ab 1974 Fotos in dem Bericht
eingeklebt, ab 1979 gedruckt. In den letzten Jahren erschienen jeweils
über 40 Fotos und Illustrationen. Der Umfang des Familienberichts
wuchs von 6 (1922) auf 102 (1988) Druckseiten.
Auch
am Stil und Inhalt unseres Familienberichtes ist der Zeitenwandel
von 1914 - 1988 deutlich zu erkennen.
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Seit
1954 werden im Familienbericht die Einnahmen und Ausgaben des Vereins
aufgeführt. Im ersten Kassenbericht wird erwähnt, daß
9 800 DM von 13 728 DM zur Unterstützung von Mitgliedern ausgegeben
wurden. Die Zuwendungen des Verbandes waren für viele, insbesondere
Studierende, Flüchtlinge und Verwandte in der sowjetisch
besetzten Zone eine große Hilfe.
Eine
deutlichere Sprache als die nackten Zahlen der Bilanzen und der
Zuwendungen des Familienverbandes sprechen persönliche Erlebnisse
und Erinnerungen. In der ersten Nachkriegszeit waren die Familienmitglieder
in der DDR, der damaligen Ostzone, finanziell völlig vom Westen
abgeschnitten. Der persönliche Verkehr war nur schwarz
über die grüne Grenze möglich; telefonische
Verbindung ausgeschlossen.
Durch
geschickte Transaktionen und komplizierten Geldumtausch über
Westberlin und Ostberliner Scheinadressen gelang es trotzdem, die
Verwandten in Thüringen, die mit 90 Mark monatlich auskommen
mußten, zu unterstützen. Dabei spielte das Kennwort Wolle
(statt Geld) eine große Rolle. Der Brief, der Wochen
nach dem Absendedatum beim Familienverband eintraf, enthielt die
harmlosen Zeilen, die jeder Zensur standhielten: Wir sind
beglückt über die 50 g Wolle, die uns gestern Frau XY
brachte, denn wir waren völlig am Ende. Nun kann weiter gestrickt
werden . . .
Studenten
aus der Ostzone, die in Freiburg studierten, hätten
ohne Unterstützung das Studium aufgeben müssen, in einer
Zeit, in der an BAfög nicht zu denken war.
Mindestens
ebenso hilfreich wie die Finanzspritzen erwies sich die Mundpropaganda
innerhalb der Großfamilie: Die angeheiratete Cousine
L. ist völlig überarbeitet - Wer übernimmt für
drei Wochen die Kinder, damit sie sich erholen kann? - Oder:
Nichte M., Mutter von drei Kindern, muß aus familiären
Gründen ihren Beruf wieder aufnehmen... Es fanden sich
drei liebe Vizemütter, bis sich die Mutter eingearbeitet hatte
und die Kinder wieder zu sich nehmen konnte. Zuschüsse zur
Gründung eines Hausstandes, Möbel für Ausgebombte,
Rat in juristischen Fragen, nicht zuletzt ständiger aufmunternder
Briefkontakt mit kranken, alten oder einsamen Familienmitgliedern,
das sind alles Hilfen, die viel bewirkt haben und unvergessen sind.
Die
seit 1954 in regelmäßigem Abstand von 6 bis 7 Jahren
stattfindenden Familientage ließen vor allem die damals Jüngeren
einander kennenlernen. Durch den Familienbericht hörte man
weiterhin von einander, besuchte sich; aus Verwandtschaft wurde
Freundschaft. So wußte man, wo den einen oder anderen der
Schuh drückte. Und da man sich näher kannte, konnte man
sich gegenseitig beistehen, zum Beispiel in Krankheitsfällen,
als Babysitter, durch Tausch von Kinderwäsche oder bei Umzügen.
Von
der Möglichkeit, vom Familienverband kleinere Darlehen als
Überbrückungshilfe in Anspruch zu nehmen, wurde in den
letzten Jahren weniger Gebrauch gemacht als in den Fünfziger-,
Sechziger- und Siebziger-Jahren. Allerdings ist es uns bekannt,
daß in den vergangenen Jahren einzelne Mitglieder des Verbandes
- unabhängig von der Familienkasse - finanziell auch mit größeren
Summen spontan halfen, wenn es nötig schien.
So
wichtig in Notzeiten die finanziellen Hilfen sind und waren, so
bedeutungsvoll ist auch heute noch die persönliche Hilfsbereitschaft
und enge Verbundenheit der großen Familie.
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