75 Jahre
Familienverband Julius Erbslöh
1914-1989




Vorwort

1905 faßte Gustav von Eynern die Ergebnisse seiner umfangreichen Forschungen in den "Nachrichten über die Familie Erbslöh" zusammen und gab damit einen Überblick über die dreihundertjährige Familiengeschichte. Mit dem vorliegenden Band, der keinen Wert auf Vollständigkeit legt, wollen wir anläßlich des Jubiläums unseres Familienverbandes an die Familienchronik anknüpfen und einige Streiflichter aus der 75jährigen Verbandsgeschichte aufzeigen.

Unser besonderer Dank gilt Andreas Erbslöh, dem langjährigen Herausgeber der Familienberichte und dieses Buches, das er mit Beiträgen und Daten sowie zahlreichen Abbildungen aus dem Familienarchiv so lebendig gestaltet hat. Herzlich danken wir ebenso Marie-Luise Nischelwitzer, die mit ihren Berichten über den Geschwisterkongreß in Eisenach, das "alte Haus in Wupperfeld" sowie anderen Beiträgen dieses Bändchen lesenswert machte.

Pfingsten 1989 Marianne Flues








Erbslöh, Herkunft und Name

Die bergische Familie Erbslöh tritt im 17. Jahrhundert in der Honschaft Erbschloe (1) (einer Ansiedlung zwischen Remscheid-Lüttringhausen und Wuppertal, die heute noch besteht), in Wermelskirchen, Duisburg und Düsseldorf auf, doch werden auch schon 1591 "Erbgenamen" (Erben) Erbschloe als Erbpächter der Landwehr im Disseldahl bei Lichtscheid genannt. Die älteste Schreibweise stammt aus dem Jahre 1471: "Erbszloe" und "Erbszloh".

Erbschloe-Erbslöh ist der Name der Sippe "arpiloh" (ahd.), d.h.., es sind Leute, die ein Gehölz geerbt haben (möglicherweise vom Gaugrafen als Lehen empfangen). Aus diesem "arpi" wurde durch die einstämmige Kürzung im Genitiv "arps" und durch die mündliche Weitergabe erps, erbs, erbsch.



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Erbslöh-"Exlibris" (Bucheignerzeichen), Stahlstich, W. Pagenstecher, 1907

Dem trägt das um 1910 von Carl Hugo Erbslöh in Auftrag gegebene und von dem Düsseldorfer Maler W. Pagenstecher entworfene Familienwappen Rechnung. Als sogenanntes "Namenswappen" weist das Motiv im Schild (Eichengehölz) auf den Namen hin. Die beiden Richterstäbe besagen wohl, daß die Sippe Erbschloe als Schöffen ihrer Honschaft Recht sprechen durfte (den "Stab brechen").

1. Eine Honschaft (= Hundertschaft) war unter Karl dem Großen die kleinste Einheit einer Grafschaft zwecks Rechtsprechung

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Vom Landwirt zum Kaufmann

Urkundlich lassen sich unsere Vorfahren bis zu Johannes Erbschloe "auf dem Hammesberg" (1615 - 1695) zurückführen. Er und seine Nachkommen waren dort Bauern, später auch Fuhrleute, bis Johann Arnold (1764 - 1834) Kaufmann in Barmen wurde. Als Hilfsmittellieferant für die Wuppertaler Bleicher und Färber kam er zu Wohlstand.



Wohnhaus von Johannes Erbslöh (1681-1767), erbaut um 1750,
auf einem uns erhaltenen Weinflaschenetikett

Seine Frau war Anna Maria Garnich (1780 - 1832) aus Vohwinkel. Ihre beiden jüngsten Söhne Carl Julius (1814 - 1886) und Carl August (1819 - 1894) interessieren uns, die wir zum 1914 gegründeten Familienverband Julius Erbslöh gehören, besonders.



Johann Arnold (1764-1824) und
Anna Maria Erbslöh (1780-1832)





Die Stammeltern

Carl Julius Erbslöh (1814 - 1880)

Julius Erbslöh besuchte in Barmen die Stadtschule und widmete sich dem Kaufmannsstande. Nachdem er von 1833 - 34 als einjährig Freiwilliger bei der 2. Komp. des 16. Infanterie- Regiments in Düsseldorf gedient hatte, wurde er im Februar 1836 Landwehr Offizier und war 1849 sechs Monate lang beim mobilen Landwehr-Bataillon Nr. 36 in Essen und 1850 Führer der von Elberfeld und Barmen kombinierten Kompagnie der Landwehr 2. Aufgebots. In den Akten des Oberbürgermeisteramtes Barmen betreffend die Vorschläge und Ernennung der Landwehr-Offiziere steht in dem Verzeichnis der sich zu Landwehr-Offizieren qualifizierenden Individuen am 16. Mai 1835:

„Erbslöhe, Julius, Kaufmann, Vice-Unteroffizier des 16. Infanterie-Regiments hat mehr wie 1000 Thaler Vermögen, Sprachkenntnisse französisch, Moralität sehr gut. Die Eltern sind todt."

1842 gründeten Carl Julius Erbslöh und Carl Wolff unter der Firma Wolff & Erbslöh eine Plättier-Fabrik in Barmen. Sie kauften von einem Herrn Rocholl, der die Fabrikation von Frankreich eingeführt hatte, das Haus Schönenstraße 2, in dem früher die Gebrüder Schöne eine Bandfabrik betrieben hatten. Der alte Rocholl hatte sein Geschäft schon seinem Sohne übertragen, dieser starb jedoch bald und nun fühlte der Vater keine Lust mehr, das Geschäft wieder allein weiterzuführen. Der Kaufpreis betrug 20000 Thaler. Das Haus hatte durch den dahinter fließenden Mühlengraben Wasserkraft.

Die Fabrikation bestand in der Hauptsache in der Herstellung von gold- und silberplättierten Blechen, wie solche für die Fabrikation von Knöpfen, Wagenlaternen und dergleichen Verwendung fanden und noch finden. Es kamen im Laufe der Jahre die verschiedensten Artikel einschlägigen Genres, wie Bilderrähmchen-Einlagen, silberplättierte Platten für Daguerreotypien, Portemonnaie-Platten, Messing-, Kupfer- und Schablonen-Bleche, echte Feinsilber- und dessinierte Bleche usw. hinzu. Neben diesen bestand die Fabrikation um die Jahrhundertwende hauptsächlich aus Messing- und Tombak-Blechen, Aluminium-Fabrikaten und Drähten. Die Firma beschäftigte um 1900 über 200 Angestellte und Arbeiter.

Die beiden Brüder Wilhelm und August wurden auch bald Teilhaber und blieben es bis zu ihrem Tode. Nach dem Austritt von Carl Wolff 1872 wurde die Firma in Julius & August Erbslöh umgeändert. Die Teilhaber um 1900 waren: Kommerzienrat Julius Erbslöh seit 1870, Alexander Erbslöh seit 1882, Walter Erbslöh seit 1884.

Die Firma erwarb im Laufe der Jahre noch verschiedene Nachbarhäuser und 1893 die Pfennings- und Greefs-Hämmer an der Blombach, ersterer „Kupferhammer" genannt. Dort wurde eine Zweigfabrik errichtet, die 1904 bedeutende Vergrößerung erfuhr.

Die zuerst erworbene Besitzung Schönenstraße 2 bestand aus einem großen Doppelhause, in dessen einer Hälfte die Fabrikation betrieben wurde; die andere Hälfte diente den Familien Julius, Wilhelm und August lange als gemeinsame Wohnung. Zuletzt lebte nur noch Julius' Witwe Adelheid in dem Hause. Als sich das Geschäft mehr und mehr ausdehnte, wurde 1891 auch die Wohnhälfte mit zur Fabrik gezogen; sie wurde abgerissen und ein Neubau an ihrer Stelle errichtet. 1899 fiel auch der stehengebliebene Teil des alten schönen bergischen Hauses und eine große einheitliche Fabrik wurde an dieser Stelle errichtet. Der schöne Garten nach der Wertherstraße ist wurde jedoch erhalten. Die beiden großen Rotdornbäume am Straßentor stammten noch aus dem alten Garten Johann Arnolds am Wupperfelder Markt.

1854-1866 war Julius Erbslöh Mitglied des Gemeinderates und des städtischen Sparkassen-Vorstandes. Außerdem war er langjähriger Repräsentant der lutherischen Gemeinde Barmen-Wupperfeld und diente derselben 1860/61 auch als Kirchmeister. Er war Mitglied der Kuratorien der Realschule, des Gymnasiums, der Filial-Töchterschule, Mitglied des Vorstandes der Oberbarmer Klein-Kinderschule und seit Gründung des Evangelischen Vereinshauses Vize-Präses des Verwaltungsrates.

1840 heiratete er Adelheid Wesenfeld, die Schwester der Frau seines Bruders Peter Wilhelm. Carl Julius und Adelheid lebten mit ihren neun Kindern in dem besagten Haus in der Schönenstraße in Barmen-Wupperfeld, das jedes Jahr auf dem Titel des erbslöhschen Familienberichtes abgebildet wird. Hinter dem Wohnhaus lag die Fabrik an der Wupper. Mit im Haus lebte zeitweise auch Bruder Carl August (1819 - 1894) mit seiner Frau Wilhelmine Adeline Caron (1828 - 1900) und seinen Kindern.




Carl Julius und Adelheid Erbslöh, geb. Wesenfeld mit Wohnhaus in Barmen-Wupperfeld


Adelheid Wesenfeld (1821 - 1904)

Adelheid war die Tochter des Apothekers Carl Stephan Ludwig Wesenfeld und der Johanna Jellinghaus aus Barmen. 1849 übergab er die Apotheke seinem Stiefsohn und gründete mit zwei Bekannten eine Schwefelsäurefabrik in Oberbarmen, in der später auch Friedrich Bayer, Gründer der Farbenfabriken Bayer, lernte. Adelheid wird so geschildert: "Sie war klein von Gestalt, resolut, doch freundlich und liebevoll. Sie hielt treu zu Kirche und Gottes Wort, war rüstig bis ins hohe Alter. Noch mit 80 Jahren fuhr sie allein zu ihrem Schwiegersohn Schniewind nach Berlin."

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Das alte Haus in Wupperfeld

Unsere Stammeltern, Carl Julius und Adelheid Erbslöh, lebten mit ihren neun Kindern in einem Haus in der Schönenstraße in Barmen-Wupperfeld, das uns allen vom Titelbild unseres Familienbriefes her bekannt ist.



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Wohnhaus der Familien Julius und August Erbslöh,
entnommen der Schrift Ewald Erbslöhs "Das alte Haus in Wupperfeld"

Hinter dem Wohnhaus lag die Fabrik an der Wupper. Mit im Haus lebte zeitweise auch Bruder Carl August (1819 - 1894) mit seiner Frau Wilhelmine Adeline Caron (1828 - 1900) und seinen Kindern - Vorfahren von Bob Muller, Amerika und Brigitte Fleck, Bad Segeberg....

Ewald Erbslöh, der jüngste Sohn, hat 1933 seine Erinnerungen an das alte Haus Erbslöh in Barmen-Wupperfeld aufgeschrieben (Nachdruck 1982), ". . . um den Nachkommen zu zeigen, daß in dem alten Hause ein urgesunder, frischer und fröhlicher Geist herrschte."




Familie Carl Julius und Adelheid Erbslöh um 1873

Es muß wirklich fröhlich und lebhaft zugegangen sein in dem so kinderreichen großen Haus, das allein im ersten und zweiten Stock 24 Wohnräume hatte. Da die Familien Julius und August nicht etagenweise getrennt wohnten, muß man es - wie der Chronist vermerkt - als einen Beweis des "geradezu mustergültigen Einvernehmens zwischen allen Mitgliedern der Familie ansehen, daß es niemals irgendwelchen Anlaß zu Störungen ihres innigen Zusammengehörigkeitsgefühls" gab. Rücksichtnahme und strenge Regeln, zum Beispiel in der Benutzung der verschiedenen Gartenplätze oder der gemeinsam gehaltenen "Equipage", werden zum Hausfrieden beigetragen haben. Der Hof mit den Nebengebäuden, der Remise, dem Pferdestall, der Obstgarten, vor allem aber der Mühlgraben, der zwischen dem Haupthaus und dem Fabrikgebäude floß, waren ein idealer Abenteuerspielplatz für die Kinder. Kletterübungen am riesigen Wasserrad, das "Schützen" der Stauvorrichtungen galten als Mut- und Kraftprobe. Freiwilliges und unfreiwilliges Bad in dem damals noch glasklaren Wasser war ein besonderer Spaß.

In der Remise gab es eine "Chemiestube" für Experimente der größeren Jungen, während die Kleinen im Schein der Öllampen am "Kanonenöfchen" sitzend, die alten Märchen hörten, die auch heute noch die Kinder der 6. Generation entzücken. Besonders prägend für den Werdegang der Jugend war die enge Verbindung von Haus und Fabrik nicht nur in räumlicher Hinsicht. Die Kinder nahmen selbstverständlich an den Festen und am Alltag der Arbeiter teil. Sie waren von klein auf in der Fabrik und in den Werkstätten zuhause. "Mehr als es den Schularbeiten zuträglich war . . ." erinnert sich Ewald. "Es war aber auch zu verführerisch, bald in der Schreinerei, bald in der Schmiede, bald in der Buchbinderei sich betätigen zu können und sich von den wohlwollenden Meistern zu mancherlei im späteren Leben nützlichen Handfertigkeiten anleiten zu lassen."

Besondere Freude war es, dabei sein zu dürfen, wenn Vater Julius oder Onkel August die Plattierarbeit selbst verrichteten oder die Matt- und Dessinwalzen bedienten."

Der Bericht besagt, daß Julius und August, wie später Julius' Söhne Julius II und Walter sowie Augusts Sohn Alexander, diese verantwortungsvollen und körperlich schweren Arbeiten lange Jahre hindurch selbst ausführten.


Familie Carl Julius und Adelheid Erbslöh
Die Kinder und Schwiegerkinder:

Carl Julius Erbslöh mit Anna Maria Laura Wittenstein

Gustav Adolf Erbslöh mit Anna Elisabeth Linkenbach

Heinrich Albert Erbslöh mit Johanna Schuchard

Carl Hugo Erbslöh mit Adele Engels

Clara Adele Erbslöh mit Carl Daniel Schniewind

Anna Sophie Erbslöh mit Johannes Weiß

Walter Erbslöh mit Martha Weddigen / E. M. Jäger

Helene Adelheid Erbslöh mit Friedrich Wilhelm Weskott

Gustav Ewald Erbslöh mit Anna Bartels

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Der Geschwisterkongreß in Eisenach

Im Spätsommer 1882 trafen sich die Kinder von Adelheid und Julius Erbslöh in Eisenach zum"Geschwisterkongreß". Es war zwei Jahre nach dem Tod von Vater Julius, und man kann sich vorstellen, was es für Mutter Adelheid bedeutete, alle neun Kinder bei sich zu haben. Schwerer vorstellbar ist es für uns Heutige im Düsenzeitalter, unter welchen Umständen damals so ein Treffen zustande kam, denn, wie die Chronik berichtet, kamen die Geschwister

"Von Amerikas fernem Gestade Von der Wupper geschäftigem Strand Aus Magdeburgs weiter Ebener Aus Rübezahls fruchtbarem Land"

Ewald Erbslöh, der jüngste im Kreis, hat in Versform den Ablauf der Tage geschildert: Die überaus stürmische Begrüßung, denn Adolf und Anna hatten sich "fünf lange Jahr' nicht gesehn". Das Treffen fand im Haus von Heinrich Albert Erbslöh und seiner Frau Johanna, geb. Schuchard, statt. Wer dort nicht Platz fand, war im Gasthof "Zum Goldenen Löwen" einquartiert worden. (Heute Gedenkstätte, 1869 fand dort die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt.)

"Zum Photographen lenkt man dann die Schritte Wie hätte es auch anders können sein Als daß wir nach der guten alten Sitte Zusammen ließen uns abkonterfein"

Die gemeinsamen Spaziergänge, das Essen im "Löwen" mit Aal, die "Inspection" von Alberts Brauerei auf dem Petersberg und vor allem das ungeduldige Warten auf Post von Hugos Braut Adele, sind mit herzerfrischendem Humor erzählt. Humor - eine typische Eigenschaft der Familie, die sich hoffentlich durch die Generationen weitervererbt zeigt sich auch in der Idee, alle Familienmitglieder auf die Waage zu stellen: Der Schwergewichtigste war Johannes mit 173 Pfund, "schlank wie eine Tanne" war Anna mit 114, die Leichteste Klara mit 111 Pfund. Selbstverständlich waren die angeheirateten "Familienveredler" miteinbezogen, wenn sie auch nicht alle am Geschwisterkongreß teilnehmen konnten.




Mutter Adelheid mit Kindern und Schwiegerkindern auf dem Geschwisterkongreß,
Eisenach 1882



So ging ein poetischer Gruß an Alberts Schwiegereltern:

"Einen guten Schwiegervater
Unser Bruder Albert hat er . . ."

und prompt kam die Antwort:

". . . Wir unterdes den Acker pflügen
Daran laß, Mutting, Dir genügen . . . "

Mit dem Wunsch auf weitere glückliche Familientage schließt der Bericht.

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Der Familienverband entsteht

Im 100. Geburtsjahr des Vaters, Großvaters und Urgroßvaters Carl Julius Erbslöh trafen sich seine Nachkommen im Juni 1914 in Bad Godesberg und gründeten den Familienverband Julius Erbslöh, der sich zum Ziel setzte, das Wohlergehen der Angehörigen zu fördern, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit unter ihnen in guten und in schlechten Zeiten zu pflegen und bedürftige Familienmitglieder zu unterstützen. Die Schüsse von Sarajevo bereiteten dem fröhlichen Beisammensein ein jähes Ende.




Gründung des Familienverbandes, 1914

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Chronologie der Familientage

1921: Familientag in Königswinter



Familientag Königswinter 1921: Im Garten der Villa Rheinau

Auf der Gründungsversammlung in Bad Godesberg wurde darüber beraten, ob der nächste Familientag in ein oder zwei Jahren stattfinden sollte. Doch der Krieg zerstörte sämtliche Vorsätze. Erst nach sieben Jahren traf sich die Familie bei von Eynerns in Königswinter-Rheinau. So wie der erste Familientag dem 100. Geburtstag des Stammvaters gewidmet war, galt dieser dem Andenken der Mutter Adelheid, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.



1928: Familientag in Mehlem am Rhein

Es war der letzte Familientag, an dem Kinder und Schwiegerkinder der Stammeltern teilnahmen und gleichzeitig der erste, an dem auch Kinder und Jugendliche der 4. Generation mitfeierten. Als erster Urenkel wurde Bernhard Gelderblom - 5. Generation - vorgestellt.

Familientag Mehlem 1928

In den folgenden Jahren fanden bis 1939 kleinere regionale Treffen in Düsseldorf und in Wuppertal statt.


1954: Familientag auf dem Hammesberg bei Wuppertal

Für den ersten Familientag nach dem 2. Weltkrieg wurde der Gasthof Walbersdorf auf Erbschloe ausgewählt. Dort hatte der Hof der Vorfahren gestanden. Otto Erbslöh wurde neuer Vorsitzender des Verbandes.


1960: Familientag in Düsseldorf und Wuppertal

Wir fuhren mit dem Schiff von Düsseldorf nach Zons und besichtigten das alte Städtchen. Abends wurde im Düsseldorfer Ruderverein gefeiert. Am nächsten Tag klang der Familientag nach einem bunten Tagesprogramm in Haus Dussel bei Wuppertal-Vohwinkel aus.


1964: Jugendtreffen in Wuppertal

Diethard Erbslöh, Constantin Frick jun.. und Wolfgang Flues organisierten das erste Jugendtreffen anläßlich des 50jährigen Bestehens des Familienverbandes. Das Zusammensein machte so viel Spaß, daß seitdem die "Jugendtreffen" zum festen Bestandteil der Familienverbandsaktivitäten gehören.


1966: Vorstandswahl

Mit der Wahl von Carl Hugo Erbslöh zum Vorsitzenden des Familienverbandes übernahm die 4. Generation die Leitung. Annegret Frick wurde das erste Mitglied der 5. Generation im Vorstand.


1967: Familientag in Wuppertal

Das 125jährige Jubiläum der Firma Julius u. August Erbslöh war Anlaß eines Familientages. Nach der Besichtigung des neuen Werkes in Neviges und nach offizieller Feier in der Wuppertaler Stadthalle wurde abends im Familienkreis in der Barmer "Concordia" gefeiert. Am folgenden Tag endete das Treffen bei Verwandten in Düsseldorf und Wuppertal.

Familientag Wuppertal 1967: In der Concordia

 

1968: Jugendtreffen in Mölln

Diesmal luden Ursel und Hans Werner Berendt zum Jugendtreffen ein.


1970: Jugendtreffen in Berchtesgaden

Es trafen sich die Jungen mit einigen "Junggebliebenen" auf dem Geißstall-Lehen in Berchtesgaden bei Sibylle und Paul Günther Erbslöh.

"An Maiennacht hat man gedacht, doch Petrus schickte Schnee oh weh, oh weh, oh weh! Es alle nicht verdroß, das Zusammensein man genoß."


1973: Familientag in Wuppertal

Nach einer Werksbesichtigung in Neviges trafen sich kleinere Gruppen in verschiedenen Häusern des Tals und diskutierten lebhaft eine Satzungsänderung des Verbandes. Wieder wurden die Familienbande in der "Concordia" gepflegt. Da man schon einmal in der Nähe Essens war, nutzten viele die Möglichkeit, dort in der Villa Hügel die PompejiAusstellung zu besuchen.


1975: Jugendtreffen in Geisenheim und Wuppertal

Der Garten von Gertraud und Gerd Erbslöh wurde in einen Zeltplatz mit Lagerfeuer verwandelt. Viele kamen verspätet an, weil auf den Karten eine nicht vorhandene Rheinbrücke eingezeichnet war. Man mußte sich mit einer Fähre übersetzen lassen. Die Teilnehmer verstanden sich so gut, daß sich alle zwei Wochen später bei Rosemarie und Hans Hermann Erbslöh auf dem Starenberg in Wuppertal trafen, um dort weiterzufeiern.


1976: Jugendtreffen in Meezen

Das Jugendtreffen fand seine Fortsetzung bei Dorothee und Albrecht Villnow auf dem Trabhof in Meezen. Gefeiert und getanzt wurde im Kuhstall.



Die fröhliche Runde beim Jugendtreffen in Meezen


1976: Süddeutsches Regionaltreffen in Irschenhausen

Inge Erbslöh und ihr Neffe Alexander Erbslöh hatten die Verwandten aus Süddeutschland nach Irschenhausen eingeladen.


1977: Westdeutsches Regionaltreffen in Unkel

Beim fröhlichen "Haus- und Gartenfest" bei Dorothee und Bernhard Gelderblom in Unkel mischten sich die Generationen.



1977: Norddeutsches Regionaltreffen in Bremen

Nach der Vorstandssitzung bei Fricks in der Goebenstraße trafen sich die "Nordlichter", von denen einer behauptete

"Ein Nachsatz sei hier eingeräumt,
Familienmuffel viel versäumt . . . "


1977 und 1978: Süddeutsche Regionaltreffen in Gräfelfing

Die "Südlichter" fanden sich bei Trudel Erbslöh ein. Dieses Treffen fand einen so großen Anklang, daß es ein Jahr später wiederholt wurde.


1979: Familientag in Wuppertal

Etwa 100 Familienmitglieder im Alter von 6 bis 87 Jahren nahmen teil. Am Freitag wurden eine Werksbesichtigung in Neviges und Treffen bei Käte Erbslöh und Marianne und Max Flues wahrgenommen. Nach einem vielseitigen Tagesprogramm klang der Samstag in Haus Pax aus.

Am Sonntag wählte die Mitgliederversammlung den neuen Vorstand. Marianne Flues wurde Vorsitzende des Verbandes.



1980: Süddeutsches Regionaltreffen in Oberelchingen

Familientreffen "in Ulm, um Ulm und um Ulm herum". Patrick Weskott und seine Schwestern hatten in ihr Elternhaus eingeladen. Höhepunkt: Schwäbische Fußgängerrallye durch die Altstadt. Episode am Rande: Ursel und Heiner Schuh suchten eine Unterkunft für die Nacht, fanden eine, wunderten sich über die Ausstattung und erfuhren am nächsten Tag, daß sie in einem Bordell gelandet waren.



1980: Nordlichtertreffen in Hamburg

Vorstandssitzung und Familientreff bei Andrea und Johann Caspar Erbslöh in Hamburg. Diethard und Lutz Erbslöh stellten die neue Stammtafel vor, die sie entwickelt hatten.


1981: Regionaltreffen in Wuppertal

Kleines Treffen der Verwandten aus der näheren Umgebung bei Marianne und Max Flues. Die 6. Generation erkundete das Haus am Pickartsberg und wird sich auch noch in Zukunft an das "Spielzeugkämmerchen" erinnern.


1981: Nordlichtertreffen in Vardegötzen bei Hannover

Andreas Erbslöh hatte zu Vorstandssitzung und Nordlichtertreffen eingeladen. Fünfzig Familienmitglieder tummelten sich in Haus und Garten.



1982: Süddeutsches Regionaltreffen in Gräfelfing

Wieder traf man sich bei Trudel Erbslöh. Alte Filme wurden gezeigt: 80. Geburtstag von Adele Erbslöh (1934 in Düsseldorf) und vom Treffen auf dem Starenberg bei Marie und Walter Erbslöh (vermutlich 1936). Erika Hoenes half der 5. Generation, sich zurechtzufinden.



1982: Wuppertal: Erinnerungstreffen anläßlich der 100jährigen Wiederkehr des „Geschwisterkongresses" zu Eisenach

An diesem Treffen bei Marianne und Max Flues waren Nachkommen aller Geschwister Erbslöh vertreten: Von Julius 18, Adolf 16, Albert 10, Hugo 16, Schniewind 7, Walter 11, Weskott 3 und Ewald 6.

Zum Mittagessen am Sonnabend kamen die ersten, am frühen Sonntagmorgen verließen die letzten die inzwischen feucht gewordene Wiese.



Erinnerungstreffen 1982:
Patrick Weskott reiste 700 km mit dem Fahrrad an


1983: Regionaltreffen in Hamburg

"Nordlichtertreffen" in Verbindung mit der Vorstandssitzung bei Andrea und Johann Caspar Erbslöh.


1984: Regionaltreffen in Wuppertal

Die Geschwister Martha Schuh, Hans Hermann Erbslöh und Annemarie Hillebrand hatten auf den Starenberg eingeladen. Die Kinder der 6. Generation genossen ebenso die Weite des Gartens wie einst ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern.

 

1985: Familientag in Essen-Kettwig

Eine Bootsfahrt auf der Ruhr, eine Wanderung in Kettwigs schöner Umgebung, der Besuch des Museums der Frühindustrialisierung in WuppertalBarmen, Altstadt-Rallye durch Kettwig und Kegeln, das waren die Angebote vor dem abendlichen Zusammensein im Schmachtenbergshof.

Familientag Kettwig 1985: Vor dem Schmachtenbergshof

In der Mitgliederversammlung wurde der neue Vorstand gewählt. Zum ersten Mal seit Bestehen des Familienverbandes gehört ihm leider kein(e) "Eingeheiratete(r)" an. Für die Kinder gab es am Sonntag eine Ponyfahrt, und zum Ausklang traf man sich nachmittags bei Gisela und Lutz Erbslöh in Kettwig und Marianne und Max Flues in Wuppertal.



1986: Regionaltreffen in München

Familientreffen und Vorstandssitzung bei Lore und Wolf Dietrich Schildener in und bei München.



1987: Regionaltreffen in Bremen

Dieses Mal luden Karla und Peter Schmaltz die "Nordlichter" anläßlich der Vorstandssitzung zu sich ein.



1988: Jugendtreffen in Unkel

Jugendtreffen bei Dorothea und Bernhard Gelderblom, das Stefanie Weskott organisiert hatte. Bei der Fußgängerrallye durch das Städtchen stellte sich am Bahnhof heraus, daß selbst die computererfahrenen Jugendlichen nicht in der Lage waren, den BundesbahnFahrkartenautomaten richtig zu bedienen. Die Teilnehmer waren hell begeistert, als sie am Pfingstsonntag von ihren Eltern abgeholt wurden. Wie 1975 in Geisenheim standen im Garten Zelte.



1988: Vorstandstreffen in Wuppertal

Arbeitstagung des Vorstandes zur Vorbereitung der 75-Jahrfeier des Familienverbandes. Die Familien des Vorstandes trafen sich bei Anke und Herbert Erbslöh in Wuppertal-Langerfeld.

Die Chronologie der Familientage von 1914 - 1988 zeigt den Wandel der Zusammenkünfte. Die wenigen großen Familientage werden durch kleine, regionale Treffen und Jugendtreffen ergänzt.

Letztere ermöglichen ein besseres Kennenlernen und helfen neuen Familienmitgliedern, sich leichter in die "Großfamilie" einzuleben, während die großen Familientage Voraussetzung für ein Weiterbestehen des Verbandes sind.


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Der Familienbericht

„Bei unserem ersten Familientage, welcher jedem von uns, der ihm beigewohnt hat, wohl unvergeßlich bleiben wird, habt Ihr mich zum Schriftführer des Familienverbandes gemacht. Niemand hätte sich damals die furchtbar ernste Lage, in welche uns die nächsten 5 Wochen bringen würden, auch nur in Gedanken ausmalen können. Heute ist es, glaube ich, unser gemeinsamer Wunsch, von dem gegenseitigen Ergehen und namentlich von dem unserer Söhne, welche im Feld stehen, baldigst Nachricht zu erhalten und ich denke, es ist Euch recht, wenn ich mich als Euer Schriftführer berufen fühle, Nachrichten über sie zu sammeln und sie an Euch weiterzugeben, denn wichtigere Vorgänge, wie sie diese große Zeit für das Leben jedes Einzelnen von uns bringen wird, wird wohl keiner von uns wieder erleben."

So beginnt der erste Familienbericht vom 10.8.1914 aus der Feder Carl Hugo Erbslöhs. In der Folgezeit sammelte er die Nachrichten über die im Felde stehenden Familienmitglieder und gab jene vervielfältigt an die Familie weiter. Bis zum Ende des 1. Weltkrieges wurden 132 solcher Berichte versandt.

Auf dem Familientag in Königswinter wurde 1921 angeregt, die Berichterstattung fortzusetzen, „in dem Wunsche, daß sich solche Berichte als eine dauernde Einrichtung bewähren und zur Stärkung unseres Familienverbandes beitragen mögen." Seither erschienen die Familienberichte unseres Verbandes bis zum heutigen Tage Jahr um Jahr (mit Ausnahme des Jahre 1945).

Bis 1931 gab Carl Hugo Erbslöh die Familienberichte heraus, danach übernahm sein Bruder Ewald diese Aufgabe, von 1942 bis 1946 Ewalds Neffe Walter und nach dessen Tod ab 1947 Arthur Erbslöh. Hergestellt und versandt wurden die Familienberichte, die einen immer größer werdenden Umfang annahmen, jetzt durch die Firma Julius und August Erbslöh, wobei erst Sibylle Erbslöh, dann Heidi Erbslöh, Marianne Flues und Rudolf Erbslöh den Bericht zusammenstellten.

Nachdem die Kosten für den inzwischen durch ein Schreibbüro hergestellten Familienbericht gravierend in die Höhe gegangen waren, wurde das Verfahren ab 1973 geändert: Nur noch ein Teil der Berichte wurde abgeschrieben, durch den Fotodruck konnte viel direkt übernommen werden. Die Arbeit des Zusammenstellens, des rasch anwachsenden redaktionellen Teils und des Umbruchs teilten sich seitdem Marianne Flues und Andreas Erbslöh.

Als zusätzliche Bereicherung wurden ab 1974 Fotos in dem Bericht eingeklebt, ab 1979 gedruckt. In den letzten Jahren erschienen jeweils über 40 Fotos und Illustrationen. Der Umfang des Familienberichts wuchs von 6 (1922) auf 102 (1988) Druckseiten.

Auch am Stil und Inhalt unseres Familienberichtes ist der Zeitenwandel von 1914 - 1988 deutlich zu erkennen.

 






Die Familienhilfe

Seit 1954 werden im Familienbericht die Einnahmen und Ausgaben des Vereins aufgeführt. Im ersten Kassenbericht wird erwähnt, daß 9 800 DM von 13 728 DM zur Unterstützung von Mitgliedern ausgegeben wurden. Die Zuwendungen des Verbandes waren für viele, insbesondere Studierende, Flüchtlinge und Verwandte in der "sowjetisch besetzten Zone" eine große Hilfe.

Eine deutlichere Sprache als die nackten Zahlen der Bilanzen und der Zuwendungen des Familienverbandes sprechen persönliche Erlebnisse und Erinnerungen. In der ersten Nachkriegszeit waren die Familienmitglieder in der DDR, der damaligen Ostzone, finanziell völlig vom Westen abgeschnitten. Der persönliche Verkehr war nur "schwarz über die grüne Grenze" möglich; telefonische Verbindung ausgeschlossen.

Durch geschickte Transaktionen und komplizierten Geldumtausch über Westberlin und Ostberliner Scheinadressen gelang es trotzdem, die Verwandten in Thüringen, die mit 90 Mark monatlich auskommen mußten, zu unterstützen. Dabei spielte das Kennwort "Wolle" (statt Geld") eine große Rolle. Der Brief, der Wochen nach dem Absendedatum beim Familienverband eintraf, enthielt die harmlosen Zeilen, die jeder Zensur standhielten: "Wir sind beglückt über die 50 g Wolle, die uns gestern Frau XY brachte, denn wir waren völlig am Ende. Nun kann weiter gestrickt werden . . ."

Studenten aus der "Ostzone", die in Freiburg studierten, hätten ohne Unterstützung das Studium aufgeben müssen, in einer Zeit, in der an "BAfög" nicht zu denken war.

Mindestens ebenso hilfreich wie die Finanzspritzen erwies sich die Mundpropaganda innerhalb der Großfamilie: "Die angeheiratete Cousine L. ist völlig überarbeitet - Wer übernimmt für drei Wochen die Kinder, damit sie sich erholen kann?" - Oder: "Nichte M., Mutter von drei Kindern, muß aus familiären Gründen ihren Beruf wieder aufnehmen..." Es fanden sich drei liebe Vizemütter, bis sich die Mutter eingearbeitet hatte und die Kinder wieder zu sich nehmen konnte. Zuschüsse zur Gründung eines Hausstandes, Möbel für Ausgebombte, Rat in juristischen Fragen, nicht zuletzt ständiger aufmunternder Briefkontakt mit kranken, alten oder einsamen Familienmitgliedern, das sind alles Hilfen, die viel bewirkt haben und unvergessen sind.

Die seit 1954 in regelmäßigem Abstand von 6 bis 7 Jahren stattfindenden Familientage ließen vor allem die damals Jüngeren einander kennenlernen. Durch den Familienbericht hörte man weiterhin von einander, besuchte sich; aus Verwandtschaft wurde Freundschaft. So wußte man, wo den einen oder anderen der Schuh drückte. Und da man sich näher kannte, konnte man sich gegenseitig beistehen, zum Beispiel in Krankheitsfällen, als Babysitter, durch Tausch von Kinderwäsche oder bei Umzügen.

Von der Möglichkeit, vom Familienverband kleinere Darlehen als Überbrückungshilfe in Anspruch zu nehmen, wurde in den letzten Jahren weniger Gebrauch gemacht als in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebziger-Jahren. Allerdings ist es uns bekannt, daß in den vergangenen Jahren einzelne Mitglieder des Verbandes - unabhängig von der Familienkasse - finanziell auch mit größeren Summen spontan halfen, wenn es nötig schien.

So wichtig in Notzeiten die finanziellen Hilfen sind und waren, so bedeutungsvoll ist auch heute noch die persönliche Hilfsbereitschaft und enge Verbundenheit der großen Familie.


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