| Erbslöh,
Heinrich Albert
Brauereibesitzer,
Großherzogl. Sächsischer Kommerzienrat in Eisenach, geb. am 06.01.1848
Barmen/Rheinland, gest. am 02.03.1912
Eisenach/Thüringen
Geburtsregister:
PfA Wupperfeld
Konfession: ev.
Taufdatum:
16.02.1848
Taufregister:
46/1848 Gemeinde Wupperfeld Sterberegister:
Heirat: 01.09.1876
Neucalenberg bei Warburg/Westfalen
Trauregister: PfA
Warburg 1876/35/3 und StA Warburg 21/1876 (31.08.1876)
Quellen: T,
HK, HS, 1, 8, 9, 21, 77, 86.
Albert
Erbslöh besuchte die Realschule in Barmen bis zur Prima und
lernte zunächst auf dem Gut Brodhagen bei Bielefeld einen kleinen
landwirtschaftlichen Betrieb kennen. Von Herbst 1864 bis 1867 machte
er eine dreijährige Lehrzeit auf dem Rittergut Ausche, Kreis
Liegnitz durch. Von 1867 bis 1868 war er Verwalter auf dem Gut Richnow
bei Landsberg a. d. Warthe, um anschließend die
Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf bei Bonn zu besuchen.
Er trat 1869 als Einj.-Freiwilliger in das II. Garde-Ulanen-Regiment
Berlin ein und machte bei ihm den deutsch-französischen Krieg
1870/71 mit. Nach Aufenthalt auf der Königlichen Domäne
Dalheim bei Paderborn zwecks weiterer landwirtschaftlicher Ausbildung
hielt er sich zum Studiums der Technik des Brauerei-Wesens in Dortmund
und München auf.
1873 siedelte
er nach Eisenach/Thüringen über, wo er die „Brauerei Petersberg"
errichtete, die bis 1892 unter der Firma Schuchard-Erbslöh
Privatbesitz war, danach als „Vereinigte Eisenacher Brauereien,
Petersberger und Schloßbrauerei AG" unter seiner Leitung stand.
Die Familie wohnte in einer wunderschönen Villa in der Eisenacher
Goethestraße.
Im Spätsommer
1882 lud Albert seine Geschwister und seine Mutter zum „Geschwisterkongreß"
nach Eisenach. Es war zwei Jahre nach dem Tod von Vater Julius,
und man kann sich vorstellen, was es für Mutter Adelheid bedeutete,
alle neun Kinder bei sich zu haben. Schwerer vorstellbar ist es
für uns heutige im Düsenzeitalter, unter welchen Umständen
damals so ein Treffen zustande kam, denn, wie die Chronik berichtet,
kamen die Geschwister „von Amerikas fernem Gestade, von der
Wupper geschäftigem Strand, aus Magdeburgs weiter Ebene, aus
Rübezahls fruchtbarem Land."
Ewald Erbslöh,
der jüngste im Kreis, hat in Versform den Ablauf der Tage geschildert:
Die überaus stürmische Begrüßung, denn Adolf
und Anna hatten sich „fünf lange Jahr' nicht geseh'n".
Das Treffen fand in Alberts Haus statt. Wer dort nicht Platz fand,
war im Gasthof „Zum Goldenen Löwen" einquartiert worden. (Später
Gedenkstätte, 1869 fand dort die Gründung der Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei statt.)
„Zum Photographen
lenkt man dann die Schritte, wie hätte es auch anders können
sein, als daß wir nach der guten alten Sitte, zusammen ließen
uns abkonterfei'n." Die gemeinsamen Spaziergänge, das
Essen im „Löwen" mit Aal, die „Inspection" von Alberts Brauerei
auf dem Petersberg und vor allem das ungeduldige Warten auf Post
von Hugos Braut Adele, sind mit herzerfrischendem Humor erzählt.
Humor - eine typische Eigenschaft der Familie, zeigt sich auch in
der Idee, alle Familienmitglieder auf die Waage zu stellen: Der
Schwergewichtigste war Johannes Weiß mit 173 Pfund, „schlank
wie eine Tanne" war Anna mit 114 und die leichteste Person war Klara
mit 111 Pfund. Selbstverständlich waren die angeheirateten
„Familienveredler" miteinbezogen, wenn sie auch nicht alle am Geschwisterkongreß
teilnehmen konnten. So ging ein poetischer Gruß an Alberts
Schwiegereltern:
„Einen guten
Schwiegervater - unser Bruder Albert hat er," und prompt kam die
Antwort: „Wir unterdes den Acker pflügen, daran laß,
Mutting, Dir genügen . . ." Mit dem Wunsch auf weitere glückliche
Familientage schließt der Bericht.
Albert nahm
nach 20jähriger Dienstzeit als Landwehr-Premier-Leutnant (Oberleutnant)
seinen Abschied als Reserve-Offizier des Thüringischen Ulanen
Regiments Nr. 6 und wurde 1893 zum Großherzogl. Sächsischen
Kommerzienrat ernannt. Mehr als zwanzig Jahre war er als Bezirksausschuß-Abgeordneter
ehrenamtlich tätig. Im Alter von 64 Jahren verstarb er an Lungenentzündung.
Schuchard,
Johanna
Hausfrau,
geb. am 18.11.1855
Gut Wietersheim bei Minden/Westfalen, gest. am 13.05.1918
Eisenach/Thüringen
Geburtsregister:
Konfession: ev.
Taufdatum:
30.12.1855
Taufregister:
PfA Frille bei Minden Sterberegister:
Quellen: T,
HS, HK, 8, 9, 21, 78, 79.
Kinder:
1.: Hans, siehe „8", 2.: Frida Adeline, spätere
Scheibe, 15.08.1881, 3.: Hildegard Johanna, spätere
Appelius, 27.09.1886.
Über
Johanna ist nicht mehr viel bekannt. Sie wurde auf dem Gut Wietersheim
bei Minden in Westfalen geboren. Ihr Vater war hier Gutspächter.
Sie war eine ausgesprochen frauliche Erscheinung, wurde in der Familie
„die schöne Johanna" oder liebevoll „Hänschen" genannt.
Sie liebte das Leben in der schönen Eisenacher Villa in der
Goethestraße, verkaufte diese jedoch nach dem Tode ihres Mannes
Albert, da sie sich in dem großen Haus verloren vorkam. Johanna
starb im Alter von 62 Jahren an Darmverschluß. Im Familienbericht
des Familienverbandes Julius Erbslöh berichtet der Schriftführer
Carl Hugo Erbslöh: „Unsere teure Schwägerin Johanna ist
nach kurzer Krankheit unserem lieben Bruder Albert in die Ewigkeit
gefolgt.
In voriger
Woche wurde sie plötzlich von dem schweren Leiden, welches
sie vor 8 Jahren heimsuchte, das aber gänzlich aufgehoben schien,
wieder befallen. Eine von einem hervorragenden Arzte gleich vorgenommene
Operation hat den erhofften Erfolg nicht gehabt. Es trat ein Schwächezustand
ein und am 13. ds. abends 8 Uhr ist sie sanft entschlafen.
Hans und Frida
waren auf die Nachricht von ihrer Erkrankung aus Neustadt und Gr.
Lichterfelde nach Eisenach geeilt. Wie schwer sie und Hildegard
der Verlust der geliebten Mutter, die so ganz ihrem Wohlergehen
lebte, trifft, fühlen wir mit ihnen. Uns Alte erfüllt
es mit tiefer Wehmut im Angedenken an die lange Reihe von Jahren,
in denen sie uns in Freud' und Leid mit ihrem reichen heiteren Gemüte
eine so liebevolle, teilnehmende, von uns geliebte Schwägerin
war, daß wir sie nun entbehren müssen, und ihr Gedenken
wird auch bei ihren Nichten und Neffen, deren Ergehen sie mit soviel
Teilnahme im Frieden wie in der gegenwärtigen Kriegszeit verfolgte,
als das einer liebevollen, verehrten Tante fortleben. So wird denn
unser Name, der sich in Eisenach während 45 Jahren einen guten
Klang erworben und erhalten hat, dort erlöschen."
Johannas
Vetter war der Eisenacher Maler Felix Schuchard, für die Erbslöh-Kinder
Marie-Luise, Günther und Irmgard deren „Onkel Felix". Viele
seiner Bilder und Mitbringsel von diversen Reisen (Ägyptischer
und Chinesischer Wandbehang) hängen noch heute in den Wohnungen
der Familien. Felix Schuchard wurde am 26. April 1865 auf dem Trenkelhof
bei Eisenach geboren. Sein Vater besaß zusammen mit Albert
Erbslöh die alte Brauerei auf dem Petersberg. Nachdem Felix
am Eisenacher Realgymnasium das Abitur abgelegt hatte, nahm er an
der Kunstakademie Düsseldorf ein Studium auf. Nach weiteren
Studien in München ging er nach Italien. 1896 war er bereits
in Maderno, wo er sich am Südwestufer des Gardasees ansiedelte.
1920 kehrte Felix nach Eisenach zurück, durch die Inflation
hatte er sein Vermögen verloren. Fortan lebte er dort als freischaffender
Maler bis zu seinem Tode am 19. April 1944.
Erbslöh,
Hans Waldemar
Regierungsrat
in Eisenach, geb. am 08.02.1880
Eisenach/Thüringen, gest. am 12.11.1963
Eisenach
Geburtsregister:
78/1880
Konfession: ev
Taufdatum:
Taufregister:
Sterberegister:
813/1963
Heirat: 15.03.1917
Eisenach
Trauregister: StA
39/1917 und PfA Eisenach o.Nr.
Quellen: G,
HS, HK, S, 16, 18, 21, 85.
Paten:
1.: Otto Schuchard, Großvater, Calenberg bei Warburg, 2.: Adelheid
Erbslöh, geb. Wesenfeld, Großmutter, Barmen, 3.: Julius
Erbslöh junior, ältester Onkel, Barmen, 4.: Helene
Bock, geb. Schuchard, älteste Tante, Neustadt a.d. Orla, 5.: Dr.
jur. Max Wernick, Rechtsanwalt, Eisenach, 6.: Melanie Bufleb,
geb. Grebe, Gera.
Am
5. August 1941 schrieb Hans Erbslöh dienstlich seinen Kurzlebenslauf:
„Lebenslauf des Hauptmanns der Res. a. D. Hans Erbslöh, Eisenach:
Ich, Hans Waldemar Erbslöh, bin am 08.02.1880 als Sohn des
Brauereibesitzers Albert Erbslöh und seiner Ehefrau Johanna
geb. Schuchard in Eisenach geboren. Von Ostern 1886 ab besuchte
ich die Vorschule und anschließend das Karl-Friedrich-Gymnasium
in Eisenach, an dem ich Ostern 1899 die Reifeprüfung ablegte.
Ich studierte die Rechte an den Universitäten Heidelberg, Berlin,
Leipzig und Jena und bestand im Februar 1903 das Referendarexamen."
(Anmerkung: Danach dem Amtsgericht Eisenach zugeteilt) „Im November
1908 legte ich die Assessorenprüfung ab" (Anmerkung: Anschließend
Assessor bei den Staatsanwaltschaften Weimar, Apolda und Neustadt
a. d. Orla sowie beim Staatsministerium Weimar) „und wurde im Januar
1918 zum Großherzogl. Sächs. Bezirkskommissar ernannt.
Vom Oktober 1903 bis Oktober 1904 genügte ich meiner Militärdienstpflicht
beim 1. Thür. Feldartillerie-Reg. 19 in Erfurt und wurde am
15.12.1906 zum Leutnant der Res. dieses Regiments ernannt. Vom August
1914 bis April 1918 habe ich am Weltkrieg teilgenommen. Am 15. Februar
1918 wurde ich zum Hauptmann der Res. befördert. Seit 1918
bin ich als Bezirkskommissar und seit Oktober 1921 als Regierungsrat
zur Zeit beim Landrat in Eisenach tätig. Seit dem 15.03.1917
bin ich mit Martha Appelius, Tochter des Geh. Justizrats Dr. Appelius
und seiner Ehefrau Therese geb. Sältzer in Eisenach verheiratet.
Der Ehe entstammen 1 Sohn und 2 Töchter." Am 30. September
1945 wurde Hans durch die kommunistische Besatzungsmacht aus dem
Verwaltungsdienst entlassen.
Hans Waldemar
Erbslöh wurde im Hause seiner Eltern, Albert Erbslöh und
Johanna, geb. Schuchard, in der Goethestraße in Eisenach als
ältester von drei Geschwistern geboren. Nach drei Jahren Vorschule
trat er 1889 in das Humanistische „Carl-Friedrich-Gymnasium" (Lutherschule)
am Predigerplatz ein, das später auch sein Sohn Günther
besuchte. Obwohl Hans kein „Musterschüler" war, stellte er
seinen Sohn mit seinen Griechisch- und mit fast 80 Jahren seinen
Enkel mit Lateinkenntnissen weit in den Schatten. Dabei kam ihm
sein bemerkenswert gutes Gedächtnis zugute.
Bemerkenswert
war auch sein Sinn für Humor und Geselligkeit, der ihm in seiner
Jugend den Ruf eines „Maitre de plaisir" eintrug. So erzählte
er oft schmunzelnd, daß er bis zu seiner eigenen Eheschließung
auf 31 Hochzeiten getanzt hätte. Sehr gern berichtete er über
seine fröhliche Studentenzeit (1899-1902) als Korpsstudent
bei einer schlagenden Verbindung in Jena, Berlin und Heidelberg.
Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und seine unbestechliche
Korrektheit waren die besten Voraussetzungen für das Jura-Studium.
Später
nahm diese Korrektheit Formen an, die seine Frau bewunderte, seine
Mitarbeiter schätzten, seine Kinder jedoch oft kritisierten
oder belächelten. So mußte die damals zwölfjährige
Tochter, als sie dem Vater freudestrahlend erzählte, sie wäre
umsonst mit der Straßenbahn gefahren, weil der Schaffner in
der überfüllten „5" nicht zum Kassieren durchgekommen
sei, zurücklaufen, warten bis die „5" die Haltestelle passierte,
und dem verblüfften Fahrer die 10 Pfg. nachzahlen.
Nach Ablauf
seiner einjährigen Militärzeit (1903-1904) war Hans als
Referendar und Assessor beim Amts- und Landgericht in Eisenach,
bei der Staatsanwaltschaft in Weimar und in den Bezirksdirektionen
Apolda, Weimar und Neustadt/Orla tätig. Im 1. Weltkrieg tat
er von 1914-1918 als Oberleutnant und Hauptmann der Reserve seine
Pflicht. In die Kriegszeit fiel auch seine Hochzeit mit Martha Appelius.
Mit dieser Heirat ging ein Wunsch der befreundeten Familien Erbslöh
und Appelius in Erfüllung. Sein späterer Schwiegervater,
Dr. Alfred Appelius, schreibt am 21. Januar 1916 aus dem Felde an
seine Frau Therese:
„Gestern
war ich mit Hans Erbslöh vereint und er hat mir mitgeteilt,
daß er sich mit Martha gefunden und verlobt habe. Ich kann
wohl sagen, daß ich mich dieses Ereignisses von ganzem Herzen
freue, bringt es doch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches
von mir. Hans Erbslöh ist mir der sympathische Schwiegersohn,
ich habe das Vertrauen zu ihm, daß er unser Marthel glücklich
machen wird und daß auch wir mit ihm gut auskommen werden.
Also freuen
wir uns. Das Brautpaar wünscht, die Veröffentlichung bis
zum Frieden zu verschieben. Ich billige das. Um dem Wunsche aber
gerecht zu werden, wollen wir die Tatsache der Verlobung auf nur
unter uns beide, der Großmutter und Mutter Erbslöh berühren,
im übrigen den Zustand der Vermutung wie bisher belassen. Vielleicht
feiern wir ganz unter uns die Verlobung nächsten Sonntag, d.
h., den 30. d. M. in Frankfurt, wenn nämlich Hans vor seiner
Rückkehr nach der Front Urlaub bekommt und Marthel sich einige
Stunde losmachen kann. Dies in die Wege zu leiten, wird Hans versuchen.
Nähere Nachricht erhältst Du noch.
Ich denke
mir, auch Du, meine liebe Therese, freust Dich über diese Gestaltung
der Dinge. Einen Schwiegersohn zu bekommen, ist ein Wort. Unser
erster aber macht uns die Sache leicht. Wir schätzen ihn und
seine Familie, es paßt zu uns auch Charakter und Gesinnung,
wir haben das Recht ihm zu vertrauen, daß er unser Marthel
glücklich machen wird. Na also, mein Thereslein, sei gegrüßt
in der neuen Rolle der Schwiegermamama. Werde eine gute, wie Du
mir eine gute Frau bist."
Der Krieg
zog sich länger hin als erwartet, und so heiratete das Paar
während eines Fronturlaubs am 15. März 1917. Drei Jahre
später siedelte die inzwischen auf drei Personen angewachsene
junge Familie von Neustadt/Orla, wo Hans seit 1918 als Bezirkskommissar
arbeitete, nach Eisenach über. 1921 erfolgte seine Ernennung
zum Regierungsrat und Stellvertreter des Landrats im Kreisamt. Für
seine Kinder (1918, 1921, 1924 geboren) bedeutete es ein besonderes
Erlebnis, wenn sie mit über Land fahren durften, wo der Vater
regelmäßige Sprechtage abhielt. Auf den Dörfern
wurde der „Beamte aus der Stadt" nicht nur vom Bürgermeister,
sondern vor allem von den ratsuchenden Bauern geschätzt. Leider
erfuhr die Familie absolut nichts von seiner sicher interessanten
beratenden Tätigkeit, weil nach seiner strengen Auffassung
die Gespräche unter das „Dienstgeheimnis" fielen. Seine Korrektheit
ging soweit, daß er es in den Nachkriegshungerjahren strikt
ablehnte, sich an den damals üblichen „Hamsterfahrten" zu beteiligen
und bei den ihm wohlgesonnenen Bauern nach Kartoffeln zu fragen.
Ein Versuch, zu dem ihn die hungrige Familie schließlich überredete,
scheiterte kläglich.
Als er 1945
in den Ruhestand trat, überfiel ihn - zu seiner eigenen Verwunderung
- heftiges Rheuma. Es war das einzige Leiden seines Lebens bis auf
eine Blinddarmvereiterung in jüngeren Jahren, und hielt ihn
einige Zeit von seinen geliebten Wanderungen im Thüringerwald
ab. Seine besonderen Interessen galten der Historik, der Heimat-
und Stadtgeschichte. Er bekleidete verschiedene Ehrenämter
u.a. im Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes, im Geschichtsverein,
Wartburgbund und Altherrenbund der Studentenschaft. Nach kurzer
Krankheit starb Hans Erbslöh am 12. November 1963 in Eisenach
an Krebs.
Appelius,
Marie Louise Therese Martha
Krankenschwester,
Hausfrau in Eisenach, geb. am 24.08.1887
Eisenach/Thüringen, gest. am 19.03.1968
Rahden/Westfalen
Geburtsregister:
436/1887
Konfession: ev.
Taufdatum:
11.10.1887
Taufregister:
o.Nr. Ev. Kirchengemeinde Eisenach Sterberegister:
76/1968
Heirat: Trauregister: Quellen: G,
T, S, 16, 36.
Paten:
1. Julius Appelius, Landgerichts-Präsident, Großvater,
Eisenach, 2.: Max Appelius, Onkel, Generalagent, Frankfurt/Main,
3.: Max Wernick, Dr. jur., Rechtsanwalt, Eisenach, 4.: Marie
Sältzer, Witwe, Großmutter, 5.: Marie Menzel, Oberstlieutenants
Frau Julius Mentzel, Eisenach, 6.: Mathilde Eucken, Oberbürgermeisters
Frau Dr. jur. Georg Eucken-Addenhausen, Eisenach.
Kinder:
1.: Marie-Luise, 18.06.1918, Redakteurin, verh. 27.07.1946 mit Sepp
Nischelwitzer, 2.: Günther, siehe „4", 3.: Irmgard
Therese Johanna, 11.02.1924, Krankengymnastin
Die
„Lübbecker Nachrichten" berichten am 24.8.1967:
„80 Jahre alt. Espelkamp (ho). Bei guter Gesundheit kann heute die
Witwe Martha Erbslöh, geb. Appelius, wohnhaft Rahdener Str.
7b, das 80. Lebensjahr vollenden. Zusammen mit ihrer Schwester Johanna
(74) verbringt die Jubilarin ihren Lebensabend. Martha Erbslöh
stammt aus Eisenach. Sie erlernte den Schwesternberuf, in dem die
Jubilarin bis zu ihrer Verheiratung mit dem Regierungsassessor und
späteren Regierungsrat Hans Erbslöh tätig war. Ihren
Wohnsitz hatte die Familie weiter in Eisenach. Aus der Ehe gingen
drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter hervor. Der Sohn, bereits
verheiratet, starb im besten Mannesalter. Die Töchter wohnen
heute in Lüneburg und Bonn. Vier Enkelkinder gehören zu
den Nachkommen von Martha Erbslöh, deren Mann 1962 in Eisenach
im Alter von 83 Jahren verstarb. Zwei Jahre später zog die
Jubilarin mit ihrer Schwester nach Espelkamp, wo heute auch ihre
Schwiegertochter, die wieder verheiratet ist, wohnt."
(Anmerkung:
Der Artikel enthält einen Fehler: Ihr Mann verstarb 1963. Im
folgenden Jahr verzog Martha Erbslöh nach Espelkamp).
Martha Appelius,
Tochter von Alfred und Therese Appelius, war das erste von sechs
Kindern. Als Älteste wurde sie von klein auf von ihren jüngeren
Geschwistern, die sie als Vorbild betrachteten, respektiert. So
entwickelte sie schon früh Verantwortungsbewußtsein und
sorgte von sich aus für die Kleinen, obwohl im Hause Appelius
genügend „Personal" zur Verfügung stand. Nach vier Vorschuljahren
kam Martha in die „Höhere Töchterschule" am Theaterplatz
in Eisenach, die auch ihre Mutter schon besucht hatte, und die später,
als „Karolinenlyzeum-Reform-Realgymnasium für Mädchen",
ihre Töchter absolvierten.
Wenn auch
die Lehrer wechselten, so verband doch die gemeinsame Schule und
mancherlei Erzählung drei Generationen. Schon in der ersten
Klasse gewann Martha Freundinnen, mit denen sie bis ins hohe Alter
in Verbindung blieb. Die Verbundenheit wurde noch durch gegenseitige
Patenschaften für die Kinder vertieft. Enge Freundschaft hielt
sie auch mit Hildegard Erbslöh (genannt Pudel) aus dem Hause
Albert Erbslöh.
Zwischen den
Familien Appelius und Erbslöh bestand seit langen Jahren enger
Kontakt. Besuche von Haus zu Haus, gemeinsame Feste und Pfingstausflüge
in der Kutsche zum Picknick auf der Ottowaldswiese gehörten
zur Tradition. So kam es, daß die kleine Martha beim ausgelassenen
Spiel der insgesamt neun Kinder in Hans - dem späteren Ehemann
- ihren Beschützer fand. Auf das damals übliche Jahr im
Mädchenpensionat in Wernigerode/Harz blickte Martha stets gern
zurück, zumal sie auch in dieser Zeit Freundinnen fürs
Leben gewonnen hatte. Da eine Berufsausbildung für Mädchen
früher nicht allgemein üblich war, sie sich aber gern
weiterbilden wollte, nahm sie außer dem obligaten Klavierunterricht,
Mal- und Nähkursen, auch Stenographie und Schreibmaschinenstunden.
In den Jahren
vor dem 1. Weltkrieg, in denen ihr Vater, Alfred Appelius, - wie
auch schon Jahrzehnte vorher ihr Großvater Julius Appelius
- das Amt des Landtagspräsidenten im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
inne hatte, begleitete sie den Vater nach Weimar, tippte seine Reden
und führte bei den Sitzungen für ihn Protokoll. Trotz
verantwortungsvoller Aufgaben und gesellschaftlicher Vergnügungen
füllte sie das Leben als „höhere Tochter" nicht mehr aus,
und sie begann in Frankfurt ihre Ausbildung als Kinderschwester,
an die sich die „Große Krankenpflege" anschloß. Im März
1913 legte sie ihr Examen ab.
Im Weltkrieg
arbeitete Martha als Stationsschwester im Lazarett in Frankfurt/Main.
1916 verlobte sie sich mit Hans Erbslöh. Bis es im März
1917 zur Kriegstrauung kam, mußten noch mancherlei Schwierigkeiten
überwunden werden. So wurde ihrem Bräutigam, der als Offizier
im Felde stand, zweimal der beantragte Hochzeitsurlaub gestrichen,
und die bereits vorbereitete Haustrauung, dem Pfarrer und den Gästen
mußte kurzfristig abgesagt werden.
Die ersten
Ehejahre verbrachte das Paar in Neustadt/Orla. Durch Nachkriegsnöte
und Inflation war das tägliche Leben sehr erschwert, zumal
in diese Zeit die Geburt der ersten Tochter, Marie-Luise, fiel.
Da bewährte sich der praktische Sinn, der Optimismus und die
Kontaktfreudigkeit der jungen Frau. Sie verstand es, Ziegenmilch
für den Säugling zu beschaffen, Kohlrübentorten zu
backen, aus Stoff- und Wollresten Kinderkleidung zu zaubern und
ihrem überaus korrekten und jeglicher Unregelmäßigkeit
abholden Gatten, unbemerkt „Schwarzgeschlachtetes" vorzusetzen.
1921 siedelte
die Familie nach Eisenach über, anfangs in ein kleines gemietetes
Haus in der Moltkestraße 9 und nach dem Tode der Großmutter
Luise Appelius ins Elternhaus, Luisenstraße 2-4. Im Jahr 1921
war der Sohn Günther und 1924 die Tochter Irmgard geboren worden.
Wie Martha es schaffte, trotz oft angegriffener Gesundheit, nicht
nur den drei lebhaften Kindern eine liebevolle Mutter zu sein, stets
die Ruhe zu bewahren, sondern auch immer Zeit, ein offenes Ohr und
Verständnis für die Sorgen und Freuden der Nachbarn und
Freunde zu haben, ist allen, die sie kannten, ein Rätsel geblieben
(Siehe Nachruf im Familienbericht 1968).
Zu ihren häuslichen
Pflichten kamen ehrenamtliche Tätigkeiten im Deutsch-Evangelischen
Frauenbund, der Frauenschaft, als Mitglied der Prüfungskommission
für Hauswirtschaftliche Schulen und Kindergärten. Besonders
harte Belastungen brachte der 2. Weltkrieg, der das Haus bis in
den Keller mit Flüchtlingen und Umsiedlern füllte, und
die Nachkriegszeit mit russischer Einquartierung.
1946 vergrößerte
sich der Familienkreis durch Schwiegersohn und Schwiegertochter,
die sie nicht nur ‚Mutter' nannten, denen sie eine wahre Mutter
war. Eine große Freude bedeutete für sie die Geburt der
Enkel. Sie waren für sie ein Trost bei dem so frühen Tod
ihres Sohnes Günther 1949. Sein Kind Andreas nahm sie in ihre
Obhut, während seine Mutter eine neue berufliche Ausbildung
begann. Nach dem Tod ihres Mannes Hans 1963 verließ Martha
das Haus in der Luisenstraße, in dem sie ihre Kinder- und
Jugendzeit und später fast 40 Jahre verbracht hatte. So schwer
ihr der Abschied fiel, so zufrieden lebte sie, zusammen mit ihrer
Schwester Johanna Appelius, bis zu ihrem Tode 1968 in Espelkamp.
Über
das Wappen der Familie Appelius ist bei Christian Ludewig A. (siehe
„576") näheres aufgeführt.
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